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Premiumweg P23 – Höllental


Letzte Aktualisierung: 31.08.2021

Die rund 10 km lange Wanderung gehört für mich zu den schönsten Premiumwanderwegen, die ich bisher gemacht habe. Meine Begeisterung für diesen Weg ist vermutlich für viele nicht nachvollziehbar, die den Weg vermutlich als nur schön beschreiben würden, für mich gehört die Höllentalwanderung aber in den Bereich des Spektakulären und das im Wesentlichen – aber nicht nur – wegen der Landschaft am Krösselberg.

Schmaler Pfad am Waldrand.
Schmaler Pfad am Waldrand. © Marko Leson

Daten der Wanderung

Wertung

Note 1

Lage der Wanderung

© Baselayer by OpenStreetMap (und) Mitwirkende, Lizenz: ODbL. © Overlays by www.Schoener-Suedwesten.de

Höhenprofil

Höhenprofil

Daten

Länge: 15,85 km

Ausgangspunkt: An der L 3242 Richtung Frankershausen befindet sich an der Bushaltestelle „Frau Holle“ der Abzweig zum gleichnamigen Wanderparkplatz.

Parkplatz GPS (Lat,Lon): 51.227218524849185, 9.957503078403372

Wanderkarte:

Dieser Premiumweg war, als ich ihn gegangen bin, so gut beschildert, dass sich eine detaillierte Wegbeschreibung, wie ich sie bei anderen Wanderungen zum Download anbiete, erübrigt.

Im Jahr 2 der Coronazeitrechnung verschlug es mich für einen kurzen Urlaub in das Werratal. Der Sommer 2021 war verregnet. Gleich am ersten Tag, an dem ich vor Ort war, schiffte es munter vor sich hin. Außerdem war es kalt. Ende August und die 20°C waren weit weg. Gegen Mittag ließ der Regen nach, doch das Internetzeitalter beschert einem ja Wettervorhersagen just in time und diese kündigten weniger aber nicht keinen Regen an. Bevor also der Tag zu Neige ging entschied ich mich, eine kurze Wanderung zu machen: den P23 durch das Höllental.

Grimmige Mammakuh

Wir starteten am Wanderparkplatz „Frau Holle“. Von hier überquerten wir die Straße und gingen einen schmalen Pfad entlang des Kupferbachs. Das Besucherbergwerk „Grube Gustav“ ließen wir links liegen, und kamen von dort auf einen weiteren schmalen Pfad, der zwischen Feldgehölz und einer Weide eingeklemmt war. Auf der Weide lagerte eine gemütlich vor sich hinkauende größere Herde Kühe. Und, wie könnte es anders sein- ihr Lagerplatz war ziemlich nah am Feldgehölz. Von dort schauten sie gelangweilt in meine Richtung. Ein dünner Draht trennte die Kuhherde vom Wanderweg. Vermutlich war Strom auf dem Draht. Ich nahm es zumindest an, denn neben den großen Kühen gab es noch ein paar kleinere, landläufig als Kälber bezeichnet, und als ich mich keine 2,5 m Luftlinie an einem Kalb vorbei bewegen wollte, erhob sich die vermeintliche Mama und richtete sich zu ihrer stattlichen Größe auf. Ich bezweifle, dass Kühe eine Mimik haben, aber just in diesem Moment dachte ich anders. Und mein Gedanke war: die schaut grimmig. Der dünne Draht war nicht wirklich vertrauenerweckend, ich schaltete also den Turbo ein und marschierte schnellen Schritts an Mamakuh und dem „kleinen“ Nachwuchs, der sich hervorragend für ein Wiener Schnitzel geeignet hätte, vorbei. Und dann passierte: nichts. Halleluja, das Leben kann so spannend sein, wenn man es nur lässt...

Am Krösselberg

Kleinteilig strukturierte Kulturlandschaft
Kleinteilig strukturierte Kulturlandschaft.

Richtige Spannung kam für mich später auf. Wir näherten uns dem Krösselberg. Für den normalsterblichen Wanderer ist das vermutlich nichts Besonderes und wird unter der Rubrik nette Wanderung auf „naturbelassenen“ Wegen abgelegt. Als naturinteressierter Laie stellte ich aber bald fest, dass die Landschaft um mich herum etwas Besonderes darstellte. Kleine Feldgehölze und Hecken unterteilten kleinteilig zwischen Wiese und Äckern. Der Sommer neigte sich seinem Ende entgegen, es war wolkenverhangen und Stille war das dominierende Geräusch. Doch das einzige woran ich dachte war: wie muss es hier im Frühjahr oder Frühsommer sein? Und dieser Gedanke verfestigte sich immer mehr, je weiter wir dem Weg folgten. Mir erschien die Gegend als das „Ideal“ mitteleuropäischer Kulturlandschaft, das Ideal einer Landschaft, die ich aufgrund meines Alters nie kennengelernt habe, da für die „industrielle“ Landwirtschaft in den flurbereinigten Landschaften viele Kleinstrukturen beseitigt und die landwirtschaftlichen Schläge immer größer wurden. Ich stelle mir vor, dass in dieser Gegend die Artenvielfalt enorm sein muss. Wenn man im Frühsommer eine naturkundliche Frühwanderung beginnt, bewaffnet mit einem guten Fernglas und allen Bestimmungsbüchern, die das Regal hergibt, vorzugsweise Pflanzen, Vögel, Schmetterlingen und sich für diese Wanderung einen ganzen Tag Zeit lässt, dann müsste man abends mit einem Lächeln nach Hause kommen und mehr als zufrieden mit dem sein, was man gesehen hat.

100 Äcker für die Vielfalt

Nun weiß ich nicht, ob meine Annahme zutrifft, ich bin ortsfremd und zum ersten Mal in dem Gebiet gewesen. Allerdings kommt man an einem Schild vorbei, das interessante Informationen enthält über die „100 Äcker für die Vielfalt“.

Exkurs: 100 Äcker für die Vielfalt

Ackerunkräuter (Segetalflora) waren in der Zeit der vorindustriellen Landwirtschaft ständige Begleiter auf den Äckern. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft konnten diese Beikräuter immer stärker aus den Äckern verdrängt werden, soweit, dass man heutzutage sich über einzelne Kornblumen oder ein paar Klatschmohn als farbige Tupfer in einem Feld bereits freut. Der Nachteil der Ertragssteigerung und besseren Bewirtschaftbarkeit der Felder war ein Verlust an Biodiversität, denn neben den beiden bereits genannten Arten gibt es weitere, die auf eine extensive Bewirtschaftung angewiesen sind, damit sie sich entwickeln können. Die Artenvielfalt quasi museal zu erhalten hat sich das Projekt „100 Äcker für die Vielfalt“ verschrieben.

„Das Projekt ‚Errichtung eines bundesweiten Schutzgebietsnetzes für Ackerwildkräuter‘ verfolgte das Ziel […] [eine] Anzahl von mindestens 100 geeigneten Ackerstandorten [...] für eine ‚dauerhafte Sicherung‘ selten gewordener Ackerwildkräuter unter Schutz“ (1) zu stellen. Hier am Krösselberg wurden zwei Flächen unter Schutz gestellt und die Informationstafel listet ein paar interessante hier vorgefundene Arten wie den Sand Mohn (Papaver argemone), das Adonisröschen (Adonis aestivalis) oder die Acker Lichtnelke (Silene noctiflora). Mehr Informationen dazu findet man auf der Webseite der Initiative www.schutzaecker.de. Und wer ein bischen mehr lesen möchte, der kann sich die pdf Datei „100AeckerfuerdieVielfalt.pdf“ (2) zu Gemüte führen.

Von den Wichtellöchern zum Höllental und Bilstein

Wir kommen an weiteren Landschaftsmerkmalen vorbei. Bei den Wichtellöchern gibt es einen Magerrasen und eine kleine Wacholderheide. Auch hier gibt eine Informationstafel interessante Informationen

Exkurs Wichtellöcher
Die Wichtellöcher sind eigentlich kleine Höhlungen und Spalten, die im Kalkgestein entstanden sind. Aufgrund ihrer Enge und Kleinheit und weil man es nicht besser wusste, hat man in früheren Zeiten angenommen, dass es sich dabei um „Zugänge zum unterirdischen Reich der Wichtel und anderer Sagengestalten“ handelt. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen für Kalkgestein typischen Vorgang: die sogenannte Kohlensäureverwitterung führt durch chemische Prozesse zur Höhlenbildung.

Unterhalb des Weges fließt der Kupferbach. Der Bachverlauf ist unschwer erkennbar aufgrund der markanten Baumreihe aus Eschen und Weiden.

Der Abstieg ins Höllental ist relativ steil und bei feuchter Witterung rutschig und glatt. Zur Sicherung wurde der Wanderweg mit Geländern / Handläufen gesichert.

Am Ende der Wanderung gelangt man zum Bilstein bzw. kann einen Abstecher zum Aussichtspunkt und zur ehemaligen Burg machen.

Fazit

Für jeden, der naturkundlich interessiert ist, ist diese Wanderung ein „Geheimtipp“, für den weniger naturkundlich Interessierten ist sie immer noch eine angenehme Wanderung durch Wald und Kulturlandschaft.

Würde ich die Wanderung wieder machen?

Ja, definitiv. Nur zu einer anderen Jahreszeit, dann wenn die Orchideen blühen und die Vögel singen 😀.


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