Waldweiden bei Waldenburg


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Südlich von Waldenburg befinden sich drei orchideenreiche Waldgebiete, die eher an eine Parklandschaft als an ein Waldgebiet erinnern. Dabei handelt es sich um die drei Naturschutzgebiete (NSG's) Entlesboden, Obere Weide und Viehweide. Die NSG's haben ihren Ursprung alle in ihrer mittlerweile aufgegebenen Nutzung als Waldweide bzw. der Streunutzung. Diese Bewirtschaftungsformen und die vorhandenen Standortvoraussetzungen förderten die Charakterart des Gebiets - das Blaue Pfeifengras.

Masteiche im NSG Viehweide
Masteiche im NSG Viehweide

NSG Viehweide

Steil geht es hinauf von Michelsbach Richtung Obersteinbach. Die Wälder der Umgebung sind fichten- und buchenreich. Ganz anders sieht es aus, wenn Sie das Naturschutzgebiet Viehweide betreten. Nehmen Sie am Parkplatz den rechten, etwas unscheinbaren Weg, so gelangen Sie bereits nach wenigen Metern in das Naturschutzgebiet.

Von den drei Gebieten, die ich hier beschreibe, gefällt mir die Viehweide am besten. Mächtige Eichen mit ausladender Krone sind lebende Zeugen der einstmaligen Nutzung. Gleich wenn Sie das NSG betreten, werden Sie von ein paar knorrigen Exemplaren begrüßt. Die Eichen waren einst wichtige Mastbäume, die mit ihrer Eichelmast die Ernährung des Viehs auch in der kalten Jahreszeit sicherstellten. In dem ca. 16 Hektar große Naturschutzgebiet sind noch einige Zeugen dieser aufgegebenen Nutzung vorhanden. An keiner Stelle im NSG schließt sich das Kronendach, die Bäume stehen weitläufig auseinander und der Gesamtcharakter ist parkartig. Abgesehen von den Eichen bilden Birken die einzigen weiteren baumartigen Vertreter.

Geflecktes Knabenkraut
Geflecktes Knabenkraut

Besuchen Sie das Gebiet am besten zur Blütezeit des Gefleckten Knabenkrautes. Schnell wird Ihnen der Gesang des Baumpiepers auffallen und wenn Sie in der Luft nach dem Sänger Ausschau halten, können Sie bald schon beobachten wie er von einer der Birken auffliegt, wie er sein Lied kräftig im Fluge vorträgt und anschließend zum gleichen Baum wieder zurückkehrt.

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Zu dem Naturschutzgebiet gehört auch ein etwas versteckt liegender Teich. Sollten Sie den Teich nicht sofort finden, dann warten Sie im Frühjahr/Frühsommer einfach still eine Weile bis Ihnen das laute Quaken der Teichfrösche den Weg weist.

Nach oben NSG's Obere Weide & Entlesboden

Auch im NSG Obere Weide blüht in großen Mengen das gefleckte Knabenkraut. Der Charakter des Waldes ist nicht mehr ganz so weitläufig. Die Bäume stehen bereits enger beieinander und je weiter sie der Strasse folgen umso mehr schließt sich der Bestand. Es treten Fichten hinzu und der parkartige Charakter geht verloren. Zwischenzeitlich wurde entlang der Straße (Juni 2007) das NSG mit einem Zaun abgegrenzt, um die empfindliche Vegetation zu schützen. Aber auch wenn nur knapp 2 Meter vom Zaun bis zum Fahrbahnrand sind: auch hier finden sich - allerdings nur vereinzelt - das Gefleckte Knabenkraut.

Lichter Birkenwald im NSG Entlesboden
Lichter Birkenwald im NSG Entlesboden

Das letzte NSG in dieser Reihe ist das NSG Entlesboden. Auf 7,2 Hektar Fläche ähnelt es eher dem NSG Viehweide. Durch die Strasse wird es in zwei Teile zerschnitten. Allerdings hat man von hier einen sehr schönen Blick auf das Gebiet. Hier fehlen jedoch die ehemaligen Masteichen, allein die verstreut stehenden Birken bestimmen das Bild.

Nach oben Pflanzen

Nach Angaben der Naturschutzverwaltung sollen u.a. folgende Pflanzenarten vorkommen:

  • Geflecktes Knabenkraut
  • Wiesen-Wachtelweizen
  • Arnika
  • Weiße Waldhyazinte
  • Kleines Habichtskraut
  • Färber-Ginster

Bei meinen bisherigen Besuchen konnte ich allerdings noch keine Arnika entdecken.

Nach oben Waldweide

Während auf den Verebnungsflächen der Waldenburger Berge die Wirtschaftswälder dominieren, bilden die drei Wälder ein kulturgeschichtliches Denkmal. In frührer Zeit hatte der Wald viele Funktionen zu erfüllen. Zunächst musste er den alles entscheidenden Rohstoff Holz liefern. Zusätzlich trieb die Landbevölkerung auch ihr Vieh in die Wälder. Das Vieh ernährte sie sich von all dem, was es vorfand. Für den Wald hatte das langfristig fatale Folgen. Die natürliche Verjüngung der Baumarten wurde durch Tritt und Verbiss behindert. Die Vegetation änderte sich. Gleichzeitig fand auch weiterhin eine Holznutzung statt. Bäume wurden gefällt, die Verjüngung fand auf natürlichen Wege aber kaum oder gar nicht mehr statt. Eine geregelte Forstwirtschaft wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Der Wald wurde immer lichter. Durch den fehlenden Bestandesschluss fanden grasartige Pflanzen hervorragende Wachstumsbedingungen. So entstand ein Teufelskreis: Durch den dichten Filz der Grasdecke kommt die Naturverjüngung nur schwer an und (fast) alles was es dann doch mal schaffte und den Kopf rausstreckte wurde verbissen.
Besonders wertvoll waren die Eichen. Zum einen lieferten sie mit den Eicheln eine hoch geschätzte Mast und zum anderen waren sie als Bauholz von herausragender Bedeutung. So kam es das die wenigen Eichen zielgerichtet gefördert wurden. Durch die geringe Konkurrenz zwischen den Bäumen konnten Einzelexemplare mit weit ausladender Krone entstehen. Ein durch Waldweide geprägter Wald bekommt im Laufe der Zeit den Charakter einer Parklandschaft.

Nach oben Streunutzung

Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich langsam aber sicher die Stallhaltung durch. Das Vieh musste aber weiter ernährt werden, und nicht nur das, es bedurfte auch der Einstreu in den Stall. Die Wälder waren zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich heruntergekommen. Die nun aufkommende Streunutzung setzte ihnen noch weiter zu. Während bei der Waldweide schon eine ganze Reihe negativer Auswirkungen zu beobachten sind, so hielt sich der Nährstoffverlust für die Waldböden noch in gewissen Grenzen, da das weidenden Vieh naturgemäß einen Teil der Nährstoffe als Dung wieder im Wald ließ. Mit der aufkommenden Stallhaltung änderte sich das. Die Laubstreu wurde zusammengerecht und in den Stall getragen, oder sofern der Wald bereits ausreichend aufgelichtet und vergrast war, wurde das Gras geschnitten und ebenfalls in den Stall getragen. Zurück kam nichts mehr. Stattdessen landete die um die tierischen Exkremente angereicherte Streu als organischer Dünger auf den Wiesen und Äckern. Die negativen Folgen für den meist ohnehin schon kümmerlichen Wald, kann man sich leicht vorstellen:

  • katastrophale Nährstoffverluste, insbesondere Stickstoff
  • Versauerung des Bodens

Dadurch verschlechterte sich zwangsläufig die Situation für die Waldverjüngung, gleichzeitig aber auch für die verbleibenden Altbäume, deren Ertrag immer stärker zurückging.

Nach oben Wiederaufforstung und Unterschutzstellung

Als diese Form der Bewirtschaftung an Bedeutung verlor, sah man sich vor die Aufgabe gestellt, diese Gebiete wieder zu bewalden. Oftmals bot sich die Fichte als einzig sinnvolle Baumart an. So kommt es, dass auch heute noch weite Bereiche von dieser Baumart geprägt sind. Allerdings erkannte man auch bereits recht frühzeitig, dass auf den Flächen sich einige botanische Besonderheiten gebildet haben. Die NSG'S Entlesboden und Viehweide wurden bereits 1939 unter Naturschutz gestellt

Nach oben Standortvoraussetzungen

Folgen

Die Verebnung auf der wir uns bewegen nachdem wir den Anstieg aus der Hohenloher Ebene hinter uns gebracht haben, besteht aus hartem Kieselsandstein. Diese Gesteinsart verwittert zu nährstoffarmen Böden. Häufig befinden sich in dieser Gesteinsschicht Ton- bzw. Mergellinsen, die kleinräumlich zu einem Wasserstau führen. Die NSG's sind alle durch diese standörtlichen Gegebenheiten geprägt. Die oben beschriebene Nutzung führte darüber hinaus zu einer weiteren Versauerung der Böden.

Wanderungen im Gebiet

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