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letzte Aktualisierung: 30.01.2008
Südlich von Waldenburg befinden sich drei orchideenreiche
Waldgebiete, die eher an eine Parklandschaft als an ein Waldgebiet
erinnern. Dabei handelt es sich um die drei Naturschutzgebiete
(NSG's) Entlesboden, Obere
Weide und Viehweide. Dieses NSG's haben
ihren Ursprung alle in ihrer mittlerweile aufgegebenen Nutzung als
Waldweide bzw. der Streunutzung. Diese Bewirtschaftungsformen und
die vorhandenen Standortvoraussetzungen
förderten die Charakterart des Gebiets - das Blaue
Pfeifengras.
NSG Viehweide
 Wenn Sie von
Michelbach kommend die K 2387 Richtung Obersteinbach nehmen, dann
befindet sich auf der linken Straßenseite auf der
mittlerweile nach dem steilen Aufstieg wieder mehr oder weniger
eben verlaufenden Straße ein Parkplatz von dem aus es nur
wenige Meter bis zum Naturschutzgebiet sind. >>>
Karte
Steil geht es hinauf von Michelsbach Richtung Obersteinbach. Die
Wälder der Umgebung sind fichten- und buchenreich. Ganz anders
sieht es aus, wenn Sie das Naturschutzgebiet Viehweide betreten.
Nehmen Sie am Parkplatz den rechten, etwas unscheinbaren Weg, so
gelangen Sie bereits nach wenigen Metern in das
Naturschutzgebiet.
Von den drei Gebieten, die ich hier
beschreibe, gefällt mir die Viehweide am besten. Mächtige
Eichen mit ausladender Krone sind lebende Zeugen der einstmaligen
Nutzung. Gleich wenn Sie das NSG betreten, werden Sie von ein paar
knorrigen Exemplaren begrüßt. Die Eichen waren einst
wichtige Mastbäume, die mit ihrer Eichelmast die
Ernährung des Viehs auch in der kalten Jahreszeit
sicherstellten. In dem ca. 16 Hektar große Naturschutzgebiet
sind noch einige Zeugen dieser aufgegebenen Nutzung vorhanden. An
keiner Stelle im NSG schließt sich das Kronendach, die
Bäume stehen weitläufig auseinander und der
Gesamtcharakter ist parkartig. Abgesehen von den Eichen bilden
Birken die einzigen weiteren baumartigen Vertreter.
Besuchen Sie das Gebiet am besten zur Blütezeit des Gefleckten
Knabenkrautes. Schnell wird Ihnen der Gesang des Baumpiepers
auffallen und wenn Sie in der Luft nach dem Sänger Ausschau
halten, können Sie bald schon beobachten wie er von einer der
Birken auffliegt, wie er sein Lied kräftig im Fluge
vorträgt und anschließend zum gleichen Baum wieder
zurückkehrt.
Zu dem Naturschutzgebiet gehört auch ein etwas versteckt
liegender Teich. Sollten Sie den Teich nicht sofort finden, dann
warten Sie im Frühjahr/Frühsommer einfach still eine
Weile bis Ihnen das laute Quaken der Teichfrösche den Weg
weist.
NSG's Obere Weide &
Entlesboden
 Die beiden anderen
Naturschutzgebiete erreichen Sie, wenn sie Richtung Obersteinbach
weiterfahren und im Ort auf der kleinen Verbindungsstrasse zur K
2362 am Spielplatz parken. Den Rest des Weges können Sie zu
Fuß gehen. Zwar führt eine offizielle Strasse hier her,
aber der Verkehr ist so gering, das man gemütlich auf ihr
entlang spazieren kann. >>>
Karte
Auch im NSG Obere Weide blüht in großen Mengen das
gefleckte Knabenkraut. Der Charakter des Waldes ist nicht mehr ganz
so weitläufig. Die Bäume stehen bereits enger beieinander
und je weiter sie der Strasse folgen umso mehr schließt sich
der Bestand. Es treten Fichten hinzu und der parkartige Charakter
geht verloren. Zwischenzeitlich wurde entlang der Straße
(Juni 2007) das NSG mit einem Zaun abgegrenzt, um die empfindliche
Vegetation zu schützen. Aber auch wenn nur knapp 2 Meter vom
Zaun bis zum Fahrbahnrand sind: auch hier finden sie - allerdings
nur vereinzelt - das Gefleckte Knabenkraut.
Das letzte NSG in dieser
Reihe ist das NSG Entlesboden. Auf 7,2 Hektar Fläche
ähnelt es eher dem NSG Viehweide. Durch die Strasse wird es in
zwei Teile zerschnitten. Allerdings hat man von hier einen sehr
schönen Blick auf das Gebiet. Hier fehlen jedoch die
ehemaligen Masteichen, allein die verstreut stehenden Birken
bestimmen das Bild.
Pflanzen
Nach Angaben der Naturschutzverwaltung sollen u.a. folgende
Pflanzenarten vorkommen:
- Geflecktes Knabenkraut
- Wiesen-Wachtelweizen
- Arnika
- Weiße Waldhyazinte
- Kleines Habichtskraut
- Färber-Ginster
Bei meinen bisherigen Besuchen konnte ich allerdings noch keine
Arnika entdecken.
Waldweide
Während auf den Verebnungsflächen der Waldenburger
Berge die Wirtschaftswälder dominieren, bilden die drei
Wälder ein kulturgeschichtliches Denkmal. In frührer Zeit
hatte der Wald viele Funktionen zu erfüllen. Zunächst
musste er den alles entscheidenden Rohstoff Holz liefern.
Zusätzlich trieb die Landbevölkerung auch ihr Vieh in die
Wälder. Das Vieh ernährte sie sich von all dem, was es
vorfand. Für den Wald hatte das langfristig fatale Folgen. Die
natürliche Verjüngung der Baumarten wurde durch Tritt und
Verbiss behindert. Die Vegetation änderte sich. Gleichzeitig
fand auch weiterhin eine Holznutzung statt. Bäume wurden
gefällt, die Verjüngung fand auf natürlichen Wege
aber kaum oder gar nicht mehr statt. Eine geregelte Forstwirtschaft
wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Der Wald wurde
immer lichter. Durch den fehlenden Bestandesschluss fanden
grasartige Pflanzen hervorragende Wachstumsbedingungen. So entstand
ein Teufelskreis: Durch den dichten Filz der Grasdecke kommt die
Naturverjüngung nur schwer an und (fast) alles was es dann
doch mal schaffte und den Kopf rausstreckte wurde verbissen.
Besonders wertvoll waren die Eichen. Zum einen lieferten sie mit
den Eicheln eine hoch geschätzte Mast und zum anderen waren
sie als Bauholz von herausragender Bedeutung. So kam es das die
wenigen Eichen zielgerichtet gefördert wurden. Durch die
geringe Konkurrenz zwischen den Bäumen konnten Einzelexemplare
mit weit ausladender Krone entstehen. Ein durch Waldweide
geprägter Wald bekommt im Laufe der Zeit den Charakter einer
Parklandschaft.
Streunutzung
Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich langsam aber sicher die
Stallhaltung durch. Das Vieh musste aber weiter ernährt
werden, und nicht nur das, es bedurfte auch der Einstreu in den
Stall. Die Wälder waren zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich
heruntergekommen. Die nun aufkommende Streunutzung setzte ihnen
noch weiter zu. Während bei der Waldweide schon eine ganze
Reihe negativer Auswirkungen zu beobachten sind, so hielt sich der
Nährstoffverlust für die Waldböden noch in gewissen
Grenzen, da das weidenden Vieh naturgemäß einen Teil der
Nährstoffe als Dung wieder im Wald ließ. Mit der
aufkommenden Stallhaltung änderte sich das. Die Laubstreu
wurde zusammengerecht und in den Stall getragen, oder sofern der
Wald bereits ausreichend aufgelichtet und vergrast war, wurde das
Gras geschnitten und ebenfalls in den Stall getragen. Zurück
kam nichts mehr. Stattdessen landete die um die tierischen
Exkremente angereicherte Streu als organischer Dünger auf den
Wiesen und Äckern. Die negativen Folgen für den meist
ohnehin schon kümmerlichen Wald, kann man sich leicht
vorstellen:
- katastrophale Nährstoffverluste, insbesondere
Stickstoff
- Versauerung des Bodens
Dadurch verschlechterte sich zwangsläufig die Situation
für die Waldverjüngung, gleichzeitig aber auch für
die verbleibenden Altbäume, deren Ertrag immer stärker
zurückging.
Wiederaufforstung und Unterschutzstellung
Als diese Form der Bewirtschaftung an Bedeutung verlor, sah man
sich vor die Aufgabe gestellt, diese Gebiete wieder zu bewalden.
Oftmals bot sich die Fichte als einzig sinnvolle Baumart an. So
kommt es, dass auch heute noch weite Bereiche von dieser Baumart
geprägt sind. Allerdings erkannte man auch bereits recht
frühzeitig, dass auf den Flächen sich einige botanische
Besonderheiten gebildet haben. Die NSG'S Entlesboden und Viehweide
wurden bereits 1939 unter Naturschutz gestellt
Standortvoraussetzungen
Die Verebnung auf der wir uns bewegen nachdem wir den Anstieg
aus der Hohenloher Ebene hinter uns gebracht haben, besteht aus
hartem Kieselsandstein. Diese Gesteinsart verwittert zu
nährstoffarmen Böden. Häufig befinden sich in dieser
Gesteinsschicht Ton- bzw. Mergellinsen, die kleinräumlich zu
einem Wasserstau führen. Die NSG's sind alle durch diese
standörtlichen Gegebenheiten geprägt. Die oben
beschriebene Nutzung führte darüber hinaus zu einer
weiteren Versauerung der Böden.
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