|
letzte Aktualisierung: 20.08.2008
Schlagen Sie eine Wanderkarte vom
Schwäbisch-Fränkischen Wald auf, so können Sie sie
kaum übersehen. Wandern Sie durch den Naturpark, so stolpern
Sie alle nasenlang über sie - die Mühlen.
Auf der Wanderkarte wimmelt es von Einträgen. Folgen Sie mit
dem Finger einfach mal dem Flußlauf der Rot beginnend bei dem
Örtchen Oberrot. Quasi im centimerterabstand folgen die
Eintragungen: Neumühle, Frankenberger Sägmühle,
Ebersberger Sägmühle, Untere Kornberger
Sägmühle, Hammerschmiede, Obere Kornberger
Sägemühle...
Es ist fast beliebig wo Ihr Blick auf der Karte hinfällt -
überall ist es ähnlich. Natürlich ist auch der Lauf
der Zeit an diesen Mühlen nicht spurlos vorbeigegangen. Was
einstmals dem vielleicht romantisch verklärten Bild der
klappernden Mühle am rauschenden Bach in einem einsamen
Waldtal entsprochen hat, ist heute als Mühle nicht mehr zu
erkennen, einem modernen Sägewerk gewichen oder zumindest der
wichtige Energielieferant - die Wasserkraft wurde ersetzt durch
erst diesel- dann elektrisch betriebene Aggregate.
Nun ist aber nicht so, dass die meisten Mühlen einfach nur
technisch aufgerüstet wurden und immer noch am gleichen Ort
wie früher munter ihr Werk verrichten. Im Gegenteil: Um 1860
hatte die Zahl der Mühlen ihren höchsten Stand erreicht.
Danach setzte allmählich der Wandel ein und nach dem II.
Weltkrieg ging es rapide abwärts mit der Zahl der
Mühlen.
Der Mühlenwanderweg bei
Welzheim
 Wenn Sie von
Welzheim kommend die L 1020 Richtung Rudersberg nehmen, dann
befindet sich auf der linken Straßenseite in einer scharfen
Rechtskurve bei der Laufenmühle ein Parkplatz, der nicht nur
ein idealer Ausgangspunkt ist, die Wieslaufschlucht zu erkunden,
sondern auch für eine Wanderung durch das Edenbachtal, den
Geologischen Pfad Welzheim oder auch zur Kesselgrotte. >>>
Karte
Die Zahl der Mühlen hat sich also verringert, aber immer
noch gibt es im Schwäbisch Fränkischen Wald eine nicht
unerhebliche Anzahl. Um Welzheim herum hat man eine Reihe der best
erhaltensten Mühlen 1978 durch einen 37 km langen Rundweg
erschlossen. Wem 37 km auf einmal zu viel sind - der kann sich die
Mühlen in kleineren Happen zu ca. 10-15 km Strecken
erschließen. Eine ausführliche Beschreibung kann
über das Naturparkzentrum in Murrhardt bezogen bzw. auf der
Webseite (1) heruntergeladen werden.
Nachfolgend sollen einige Mühlen, die am Mühlenwanderweg
liegen, ein wenig beschrieben werden.
Klingenmühle
Eng mit der Klingenmühle verbunden ist der Name des
schwäbischen Dichters Justinus Kerner, der sich in seiner Zeit
in Welzheim öfters an der Klingenmühle aufgehalten haben
soll und sich dort zu dem Gedicht "Der Wanderer in der
Sägmühle" inspirieren ließ.
In der tief eingeschnittenen
Wieslaufschlucht gelegen, fällt es nicht schwer sich
vorzustellen, welch hartes Brot die Arbeit in dieser Mühle
war. Als Mahl- und Sägmühle mussten die Rohstoffe zu der
Mühle hin und ihre Produkte natürlich auch wieder
abtransportiert werden.
Bevor 1865 die Scheitholzflößerei vom Ebnisee
aus eingestellt wurde, musste natürlich die Mühle auch
gegen die herab geschwemmten Holzscheite geschützt werden
(2). Der Müller war dafür selbst
verantwortlich. Welche Kraft die angeschwemmten Scheite
entwickelten, kann man am Grund des Wasserfalls erkennen. Furchen
und Rinnen bildeten sich in dem Untergrund aus Kieselsandstein.
Menzlesmühle
Mit ihrem leuchtenden Rot kontrastiert die Menzlesmühle
wunderschön zu dem sie umrahmenden grün des Waldrandes.
Nachdem die aus dem 14. Jahrhundert stammende Mühle 1721
abgebrannt und anschließend wieder aufgebaut wurde, benannte
man sie in Menzlesmühle um. Zuvor hatte sie ihren Namen von
dem nahe gelegenen Ort Cronhütte erhalten und hieß daher
Cronmühle.
Die Menzlesmühle war ein Säg- und Mahlmühle. Sie
besaß vier Mühlräder. Heute existiert davon noch
ein oberschlächtiges Wasserrad, das von einem Zulauf oberhalb
der Mühle gespeist wird. Es wurde 2004 (3) erneuert.
Hundsberger
Sägemühle
Einem Bohlenweg folgend, der durch die Feuchtwiesen entlang der
Schwarzen Rot führt, gelangt man zur Hundsberger
Sägmühle. Große Holzpolder zeigen an, dass die
Mühle heute noch arbeitet. Das Wasserrad dient natürlich
nicht mehr zum Antrieb des Gatters, wurde aber bis ca. 1935
dafür benutzt. Immerhin wurde es zu letzt 2005 ersetzt.
Meuschenmühle
Woher der Name der Meuschenmühle stammt ist unbekannt. Im
Jahr 1271 wird sie zum ersten Mal urkundlich erwähnt mit dem
Namen "Nibelgaumühle" (4). Seit Anfang des 18.
Jahrhunderts taucht der Name Meuschenmühle auf.
Das Fachwerkhaus ist weitgehend noch im Originalzustand. Die
Mühlanlage ist voll funktionsfähig. Das sieben Meter hohe
oberschlächtige Wasserrad wurde 1978 restauriert. Es ist damit
das größte im Schwäbisch-Fränkischen Wald.
Hummelgautsche
Die Hummelgautsche (oder auch: Vaihinghofer Sägmühle)
fällt in ihrer unscheinbaren Erscheinung ein wenig aus dem
Rahmen der anderen hier beschriebenen Mühlen. Auf einer Wiese
am Waldrand stehend wirkt sie wie eine kleine Scheune. Erst wenn
man sie umrundet hat, sieht man das Wasserrad und erkennt, dass es
sich um eine Mühle handelt.
Das "gautschende" Geräusch das entsteht, wenn ein Stamm durch
das Gatter geschoben und zersägt wird, soll namensgebend
für die Mühle gewesen sein. Die Silbe "Hummel" hat nichts
mit der summenden Hummel sondern mehr mit dem schwäbischen
"Hommel" für Bullen zu tun. Die "Hummelwiesen" in der
Nähe der Mühle steuerten also den ersten Teil für
den Mühlennamen bei.
Während des Mühlentages zu Pfingsten ist sie
gewöhnlich geöffnet und man kann zusehen, wie ein Stamm
zu Brettern zersägt wird.
|